Detlef Hartung und Georg Trenz


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Galerie Seippel Köln

 


 
In ihren “Galerie–Arbeiten” kehren Hartung|Trenz zurück an die Basis ihrer künstlerischen Arbeit, der Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Wort und Bild. Es geht um die Prozesse der Wahrnehmung, des Lesens und der Verarbeitung typografischer Informationen.
Schrift ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Graphemen, die Laute visualisieren und Bedeutung generieren, sie ist auch ein graphisches Produkt, ein gestaltetes Zeichen auf einer mitgedachten Fläche. Sie besitzt also neben der inhaltlichen Bedeutung ihrer Lautzeichen auch einen formalen, bildhaften gestalterischen Inhalt.
 
rechts:
RAUMGEFUEGE, 2020, 3fache LED-Projektion, Maße variabel
 
Die Wörter RAUM und ZEIT, im Wechsel getrennt von den Wörtern GEFUEHL und GEFUEGE bilden das einzige Textmaterial für eine Arbeit mit drei LED Projektoren, deren Projektionsflächen sich partiell überschneiden. Die projizierten Textblöcke besitzen identische Textmengen, aber unterschiedliche Zeilenausrichtungen. Die rechte Textprojektion ist rechtsbündig, die linke linksbündig und die mittlere mittelachsig ausgerichtet. Die untereinander gesetzten Zeilen sind dabei bei jedem Gobo vollkommen identisch.
Sie unterscheiden sich ausschließlich durch ihre Spationierung, also den Abstand der Buchstaben zueinander. Bestimmte Gestaltgesetze (… der Nähe, … der Kontinuität, ... der Erfahrung) sind dafür verantwortlich, dass sich die erlernte Leserichtung (von links nach rechts) erweitert, und man neben Wörter auch geometrische Formen (Kreis, Dreiecke), Fluchten und Räume wahrnimmt. Lesen ist immer auch ein dramaturgischer, ein zeitlicher wie räumlicher Vorgang.
Durch sein Abschreiten der Wandfläche deckt der Betrachter partiell die projizierten Flächen ab und greift somit aktiv in den Gestaltungsprozess ein. Er bewegt sich zwischen RAUM (linke Begrenzung) und ZEIT (rechte Begrenzung).
 
links:
AREPO, 2020, 2fach LED-Projektion, Maße variabel
 
Das Satzpalindrom SATOR AREPO TENET OPERA ROTAS kann, als Quadrat geschrieben, horizontal und vertikal, vorwärts wie rückwärts gelesen werden. Es funktioniert also ausschließlich in seiner Visualisierung. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde es über zwei Jahrtausende hinweg als zauberkräftiges Zeichen angesehen, mit oft wechselnden magischen und religiösen Interpretationen. Mathematische Deutungen sprechen sogar von einer analogen Darstellung der Quadratur des Kreises.
Für die Arbeit AREPO wurde das Sator–Quadrat zweimal in 15–Grad Schritten komplett um seinen Mittelpunkt, den nur einmal vorkommenden Buchstaben N gedreht. Das so entstandene Buchstabenmaterial wurde frei auf zwei Kreisflächen angeordnet, auf Gobos übertragen und mit 2 LED–Projektoren übereinander projiziert. Einzig das Ausgangsquadrat ist auf beiden Gobos identisch, steht an der gleichen Position und sticht darum mit doppelter Helligkeit aus dem runden Schriftfeld hervor. Gezeigt wird also eine Möglichkeit der Lesbarkeit ausgewählter Zeichen in diesem vorgegebenen Buchstabenuniversum, die allerdings sofort verschwindet, wenn jemand eines der Projektionsfelder betritt. Andere Möglichkeiten eröffnen sich dem Betrachter, aus dem Zeichenmaterial Bedeutungen und Wörter herauszulesen und neue Konstellationen zu finden. Das Wort AREPO ist der einzige Begriff des Sator–Quadrates ohne entschlüsselter Bedeutung. Es wurde oft als Eigenname oder im Christentum als Chiffre für den unbekannten Gott benutzt. Wenn ein Wort keine Bedeutung besitzt, ist es offen für jede Bedeutung.
Die Arbeit AREPO spielt mit einem begrenzten Buchstabenmaterial, seinen Kombinations– und Interpretationsmöglichkeiten.
 

 
WHERE IS MY DESTINY? 2020, 2 Kanal Videoinstallation, 8:25 min, loop
Der Text WHERE IS MY DESTINY, gesetzt in Form mehrfacher Unendlichkeitszeichen, die sich zu einem kugelförmigen Universum addieren, spielt mit den Erwartungshaltungen beim Betrachten eines neuen, unbekannten Systems. Eine Kamerafahrt suggeriert eine Annäherung an dieses virtuelle Universum und eine Reise durch dessen Kern.
Die besondere Technik der zwei deckungsgleich übereinander gelegten Projektionsflächen bezieht den Betrachter und seinen Schatten in die scheinbare Dreidimensionalität der Projektion mit ein, macht ihn zum Teil der Arbeit.
 

 

 

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