Detlef Hartung und Georg Trenz


Aktuell

Projekte

Kunst am Bau

Vitae

Kontakt

Links

Impressum

home

SCHLAFWANDELN
Paula Modersohn–Becker Museum
Bremen

 


 
Schläft ein Lied in allen Dingen
Die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
trifft du nur das Zauberwort.

Josef von Eichendorff
 
Eichendorff beschreibt die Welt und die Dinge darin als schlafend und träumend. Also auch ein Museum oder dessen aufwendig gestaltete Backsteinfassade. Sie warten darauf erweckt und zum Singen gebracht zu werden durch das richtige, (lyrisch/poetische) Wort. Wörter sind per se Zauberwörter, sie sind dazu da, Erlebtes, Erfühltes, Erspürtes zu benennen und aus seinem Schlaf zu reißen, es verfügbar, nachvollziehbar und kommunizierbar zu machen. Was aber, wenn sich das zu Benennende selbst jeder sinnlichen Erfahrung entzieht?
 
“Was ist das? Der Mensch seht es sich herbei, und wenn er es endlich erreicht hat, lernt er es nicht kennen.”
(Leonardo da Vinci)
 
Nach wie vor entzieht sich der Schlaf unserer persönlichen Erfahrung und größtenteils auch jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis, obwohl er nahezu ein Drittel unserer Lebenszeit einnimmt. Wir benötigen ihn, aber wir besitzen kein Instrumentarium, ihn selbst bewusst wahr zu nehmen, zu erklären oder zu verstehen. Darin ähnelt der Schlaf seinem “Bruder”, dem Tod.
Ein Ding zu beschreiben ist also die eine Sache, aber dem Schlaf ein Lied zu entlocken eine völlig andere. Das Zauberwort, das Eichendorff bedichtet, ist letztendlich das Wort, das den Schlaf beschwört.
Unzählige Wörter, Komposita und Umschreibungen, oft in einer sehr blumigen, bilderreichen Sprache versuchen im Deutschen dem Geheimnis des Schlafes auf die Spur zu kommen.
Die Arbeit SCHLAFWANDELN unternimmt nun an der Außenfassade des Paula Modersohn–Becker Museums in Bremen ein interessantes Experiment. Sie greift das Wort Schlaf und einige seiner Wortbildungen auf und wirft sie bildhaft und typographisch animiert zurück auf die vor sich hinträumenden Dinge. Die projizierten Wörter verbinden sich mit der Museumsfassade, verändern deren Form und Lesbarkeit und kommunizieren mit ihr. Durch die Anbindung der Wörter an die mit Muster und Symbolen codierte Backsteinmauer, wird diese lebendig, wird aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt und fängt an “zu singen”.
Das dies ausgerechnet mit dem Wort SCHLAF geschieht, erscheint nur auf den ersten Blick als Paradoxon. Auf den zweiten Blick ist es nämlich gerade die Einzigartigkeit des Schlafes, durch die Abwesenheit von Bewusstsein und Körperspannung, neue Kraft, Energie und Leben zu wecken.
Ganz nebenbei eröffnen sich durch das visuelle Nachdenken, das typographische Spiel mit diesem Begriff neue Einblicke in das Mysterium des Schlafes.
 

 

 

 

 

 

top