Georg Trenz


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HOCH TIEF EBEN
Kunst am Bau für die Staatlichen Hochbauämter, ehemaliche Mc Graw–Kaserne,
München

Hochbauamt München Hochbauamt München Hochbauamt München

Die Begriffe HOCH, TIEF und EBEN sind an den äußersten Gebäudekanten im Osten und Westen angebracht und klammern das Areal regelrecht ein. Durch die Wege– und Straßenführung ist für den Betrachter nur das halbe Wort als abstrakte Zeichenfolge erkennbar, welche sich erst im Vorübergehen, bzw. Vorbeifahren als lesbar entpuppt. Formal reflektiert diese Arbeit auf die Randbossierung als architektonisches Gliederungs– und Gestaltungsprinzip. Auch die gewählte Schriftgröße (halbe Buchstabenhöhe = ca. 1m) korrespondiert proportional mit der Architektur. Die Verwendung unterschiedlicher Typographie intendiert dabei gegensätzliche Architekturstile und –epochen und verweist damit ebenso auf die wechselvolle historische Geschichte des Gebäudes in Kriegs– und Nachkriegszeiten, wie auf seine aktuelle Nutzung als moderne Verwaltungseinrichtung.

Die formale Umsetzung der Worte ist in den Begriffen HOCH und TIEF ihrer inhaltlichen Bedeutung gegenläufig. TIEF, in einer modernen “Grotesk”–Versalie geschrieben, wirkt trotz seiner Größe schwerelos und dem Himmel zugeordnet. HOCH, in Fraktur– Minuskeln ausgezeichnet und von oben nach unten gesetzt, zeigt sich schwer und erdbezogen.
Dieser Gegenläufigkeit entspricht auch die Materialwahl von glänzendem V2A–Stahl, bzw. angerostetem Eisen.
Der dritte Begriff EBEN, aus vergoldetem Aluminium in einer Antiqua–Schrift aus– geführt vermittelt zwischen den beiden Extremen nicht nur formal und geo– graphisch, sondern auch auf Grund seiner inhaltlichen, z.B. zeitlichen Bedeutung.

Hochbauamt München

Auf der Rückseite der ehemaligen Kaserne wurde der Haupttrakt mit drei, im Grundriss identischen Neubauten durch vollverglaste Treppenhäuser verbunden. Den so entstandenen, von drei Seiten umbauten Innenhöfen wurden von einem Landschaftsarchitekten drei verschiedene Vege– tationszonen zugeordnet. Somit entstehen durch die Gärten auf der horizontalen, sowie in den Treppenhäusern auf der vertikalen Ebene, ver– schiedene Wahrnehmungsbereiche für die Be– sucher und Nutzer des Gebäudes.
Die Verschränkung und Verbindung dieser Wahr– nehmungsbereiche übernimmt eine typographische Gestaltung auf den Glasflächen der Treppen– häuser, entwickelt aus einem Gedicht von Goethe: Wanderers Nachtlied. Es ist das bekannteste und am häufigsten parodierte und rezipierte Gedicht deutscher Sprache. Selbst in der Zerstückelung als Silbenansammlung ist es noch dechiffrierbar.

Inhaltlich ist es ein Gedicht der Übergänge: von oben nach unten, von innen nach außen. Es reflektiert somit sehr vielschichtig Architektur und Nutzung des Ortes. Vertikal, aus transluzenten, verschieden– farbigen Folien entwickelt, lösen sich vereinzelt, den Sinnzu– sammenhang völlig verändernd, Buchstaben und Silben. Durch entstehende Lücken werden von verschiedenen Standpunkten aus Textteile gegenüberliegender Scheiben wahrgenommen und neu zusammengesetzt.
Spielerisch reflektiert diese Arbeit das Bauen als konstruktives Verknüpfen von Einzelelementen, sowie die Sprache als über– geordnetes, notwendiges Baumaterial.
Die typographische Umsetzung (ca 80 cm Versalhöhe) und die Zerstörung der Syntax nimmt dem Text seine betulich, klassische Anmutung und regt an über die Analogie von Lesen und Bauen nachzudenken.

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